Was ist Systemische Therapie?

Der systemische Ansatz betrachtet das Anliegen des Klienten nicht isoliert, sondern berücksichtigt das Umfeld bzw. System, in dem ein bestimmtes Verhalten auftritt. Wichtige (teils unbewusste) Einflussfaktoren können z.B. Haltungen anderer Menschen, berufliche Bedingungen aber auch unterdrückte Persönlichkeitsanteile etc. sein, die im Hintergrund wirken. Die beteiligten Personen müssen dafür nicht anwesend sein. Die Systemische Therapie ist ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren und wird als Einzel-, Paar- oder Familientherapie durchgeführt.

Hilfsmittel, die ich in der Systemischen Familientherapie verwende, sind vor allem systemische sogenannte Aufstellungen mit Stellvertreter-Figuren, die Timeline-Arbeit zur eigenen Biographie sowie systemische Fragetechniken. Daneben gewährt in bestimmten Fällen die Genogrammarbeit wertvolle Einblicke (nähere Informationen zu den einzelnen Methoden weiter unten). Die genannten Ansätze lassen sich zudem sehr hilfreich mit der systemischen Kinesiologie verbinden.

Mit Spielzeugfiguren lassen sich gut komplexe Situationen veranschaulichen.Aufstellung-25-300x195Aufstellung-24-300x200

 

 

 

 

 

Versteckte Einflüsse und Wirkungen sichtbar machen

Die Systemische Therapie hilft mit gezielten Frage- und Aufstellungstechniken dabei, wirkende Einflüsse und Beziehungsprozesse im Umfeld des Klienten sichtbar zu machen und bietet damit neue Einsichten und Raum für Verhaltensänderungen. Die Therapieform entwickelte sich in den 50er Jahren in den USA und war eine Reaktion auf die hohe Zahl von Klienten, die nach anfänglich Erfolgen mit anderen Therapieverfahren Rückfälle gezeigt hatten, sobald sie den alten (Familien-)Strukturen wieder ausgesetzt waren.
Der systemische Ansatz richtet den Blick auf den größeren Zusammenhang – eben auf das System -in dem sich der Mensch befindet und in dem ein bestimmtes Verhalten, ein Krankheitssymptom etc. auftritt. Er geht davon aus, dass kein Teil eines Systems – sei es in der Familie, am Arbeitsplatz oder auch im Körper – unabhängig von den anderen existiert, sondern eine ständige Wechselwirkungen stattfindet. Die Wirkweise ist ähnlich wie bei einem Mobilé, bei dem das Anstoßen eines Teils bewirkt, dass sich auch die anderen Elemente neu ausrichten müssen. Um zielorientierte und nachhaltige Ergebnisse zu ermöglichen, ist es daher wichtig,  das Umfeld des Klienten sorgsam in den Veränderungsprozess miteinzubeziehen. Hierfür eignen sich Aufstellungen sehr gut.
Nicht selten „haben“ Menschen zudem kein Problem, sondern sind vielmehr Symptomträger, die mit einem Verhalten auf bestimmte äußere Gegebenheiten reagieren –  dieses in einem anderen Umfeld jedoch nicht mehr zeigen. Dies trifft oft insbesondere weniger robuste Menschen oder auch Kinder. Mitunter ist das gezeigte Verhalten auch an bestimmte gelernte oder übernommene Beziehungsstrukturen gekoppelt – und damit generell veränderbar. In diesen Fällen können zugrundeliegenden Mechanismen und Einflussfaktoren z.B. mit Hilfe einer Aufstellung (s.u.) gut sichtbar gemacht werden. Ist man sich dieser im Hintergrund wirkenden Einflüsse erst einmal bewusst, kann man gut an ihnen arbeiten.

 

Systemische Aufstellungen bringen Klarheit in komplexe Situationen

Einen besonderen Fokus legt die Systemische Therapie auf Kommunikationsstrukturen – die AnnikaJenniferKerstin (13)offensichtlichen aber auch die versteckten, die sich z.B. in Körpersprache und unterschwelligen „Aufträgen“ widerspiegeln. So kann es hilfreich sein, verdeckte Loyalitätskonflikte mit der Herkunftsfamilie aufzudecken, wenn es etwa darum geht, neue aber (unausgesprochen) unerlaubte Wege zu gehen. Genauso kann es entlastend und hilfreich sein, die Dynamiken und Regeln im Familiensystem zu veranschaulichen, die meist unausgesprochen aber mächtig wirken. Die Systemische Therapie hilft, sich wiederholende Muster in z.B. Beziehungen, beruflichen Konflikten oder körperlichen Beschwerden aufzuzeigen – und konstruktive Musterunterbrechungen einzuleiten.

 

Die Arbeit mit dem Systembrett oder: die Geschichte neu erzählen

Aufstellung (26)Systemische Aufstellungen sind eine kreative und sehr tiefgehende Methode, um Konflikte oder Wahlmöglichkeiten ins Außen zu bringen. Sie erlauben dem Klienten einen Blick aus der Beobachterperspektive auf die eigene Situation. Aus dem Abstand heraus ergibt sich bereits meist mehr Klarheit. Statt sich angesichts eines neuen Projekts oder einer verstrickten Beziehung grübelnd in Hoffnungen, Prioritäten, Werten, Zweifeln und Befürchtungen zu verfangen, kann es sehr entlastend sein, die Aspekte auf dem Systembrett zu veranschaulichen und zu sortieren. Oft werden Gefühle hierdurch spontan deutlich, es zeigen sich Muster und Perspektiven anderer Personen werden plötzlich nachvollziehbar. Entscheidungen fallen so oft leichter und Lösungsbilder können im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar werden.

 

Die Genogrammarbeit

Ein Genogramm ist eine Darstellungform innerhalb der Systemischen Familientherapie, um wiederkehrende Beziehungskonstellationen, Verhaltensmuster und Krankheitssymptome auf „ins Außen zu bringen“ und darzustellen. Konflikte lassen sich so leichter bearbeiten. Hierfür werden wichtige biographische Daten aber auch Konflikte, Krisen, Wertvorstellungen und besondere Ereignisse über meist drei Generationen ähnlich wie bei einem Familienstammbaum angeordnet. Symbole und Linien zeigen die Beziehungen innerhalb der Familie an und geben schnell einen Überblick über komplexe Strukturen und das Gesamtbild. Blinde Flecken im Familiensystem können damit plötzlich zutage treten. Ziel der Genogrammarbeit ist ein verbessertes Verständnis des Klienten für aktuelle, schwer erklärbare Probleme und sowie deren nachhaltige Verarbeitung. Die Genogrammarbeit dient auch zur Klärung von (generationsübergreifenden) Familienthemen.